So prüfen wir — die Methodik hinter den Verdikten
Stand der Recherche: · alle Zahlen mit Quellenangabe im Text
Jedes Verdikt auf dieser Seite ist eine redaktionelle Einstufung auf dokumentierter Faktenbasis: Es stützt sich auf die Befunde des jeweiligen Master-Dossiers, trägt ein Stand-Datum und folgt festen, hier veröffentlichten Ankern. Wir vergeben bewusst keine Punktzahlen — eine Skala wie „3 von 5" gaukelt eine Messgenauigkeit vor, die Recherche-Befunde nicht haben.
Die vier Verdikt-Stufen
Jede Prüffrage erhält genau eine von vier Stufen:
- Grün — der Befund spricht für das Projekt; die Anker-Bedingung ist mit Primärquellen belegt.
- Gelb — gemischter Befund: reale Substanz mit relevanten Einschränkungen oder Lücken.
- Rot — der Befund spricht gegen das Projekt oder eine zentrale Behauptung ist unbelegt bzw. widerlegt.
- Unbekannt — die Frage ließ sich trotz ernsthafter Suche nicht beantworten. Das ist ein eigenständiges Ergebnis erster Klasse und wird nicht mit Rot vermischt: „Wir wissen es nicht" ist etwas anderes als „es ist schlecht".
Ein unbequemer Sonderfall ist geregelt: Eine behauptete, aber nicht belegbare Eigenschaft (etwa „von Top-Firmen auditiert" ohne auffindbaren Report) ist Rot, nicht Unbekannt — die Behauptung selbst ist dann der Befund.
Die Gesamt-Ampel je Coin
Zusätzlich zu den Einzel-Verdikten trägt jeder Coin ein redaktionelles Gesamt-Verdikt (die Spalte „Gesamt" im Vergleich und der Befund-Chip im Dossier-Kopf). Es ist bewusst kein Durchschnitt der Einzel-Ampeln: Eine einzelne schwere rote Flagge — etwa eine behauptete, aber nicht auffindbare Sicherheitsprüfung — kann das Gesamtbild bestimmen, auch wenn viele Einzelfragen grün sind. Grundlage ist die Stärken-Schwächen-Bilanz (Kapitel 11) des jeweiligen Dossiers; die Bilanz-Spalte (Grün · Gelb · Rot · Unbekannt) steht daneben, damit jeder die Zählung selbst sehen kann.
Woher kommen die Verdikte?
Jedes analysierte Projekt durchläuft denselben Prüfprozess: acht unabhängige Recherche-Linsen (Technik, Tokenomics, On-Chain-Substanz, Team & Finanzierung, Ökosystem, Markt, Risiken, Deutschland-Sicht), danach ein adversarialer Faktencheck der Kernaussagen gegen Primärquellen und ein dokumentiertes Lücken-Protokoll. Die Verdikte verdichten diese Befunde — jede Einstufung lässt sich im Dossier bis zur Quelle zurückverfolgen.
Die Anker je Prüffrage
Die folgende Tabelle ist der verbindliche Maßstab: Sie definiert je Prüffrage, was Grün, Gelb und Rot auslöst. Ändern wir einen Anker, gilt das für alle Coins gleichzeitig — Verdikte verschiedener Coins sind dadurch vergleichbar.
| Prüffrage | Grün, wenn … | Gelb, wenn … | Rot, wenn … |
|---|---|---|---|
| Produkt nachweislich live? | Produkt läuft im Mainnet, unabhängige Nutzungsbelege oder Kennzahlen existieren. | Produkt läuft, aber Nutzung ist dünn, nur teilweise live oder nur eigenseitig belegt. | Kernfunktionen nicht live, nur angekündigt oder ausschließlich per Eigen-PR behauptet. |
| Braucht das Produkt den Token? | Der Token ist protokollseitig erzwungen (Gebühren, Pfand, Zugang) — ohne ihn läuft das Produkt nicht. | Der Token hat reale, aber umgehbare oder nur angekündigte Funktionen. | Das Produkt funktioniert ohne den Token; ihm bleiben nur Versprechen (Governance, Rabatte, Staking). |
| Supply fix und bewiesen? | Obergrenze on-chain bewiesen, Nachschöpfung technisch unmöglich. | Obergrenze plausibel, aber nicht vollständig on-chain durchgesetzt oder dokumentiert. | Nachschöpfung technisch möglich und/oder Kontrolle darüber anonym. |
| Wem gehört der Bestand? | Breite Streuung; Großbestände sind zugeordnet und erklärt (Börsen, Bridges, Verträge). | Deutliche Konzentration oder einzelne unerklärte Großhalter. | Mehrheit des Bestands bei wenigen, nicht zugeordneten Adressen. |
| Droht Angebotsdruck aus Unlocks? | Kein Vesting-Überhang; alle Sperrfristen ausgelaufen oder vollständig transparent terminiert. | Unlocks stehen an, sind aber publiziert und kalkulierbar. | Erheblicher gesperrter Bestand ohne belastbaren, primär belegten Kalender. |
| Externes Sicherheits-Audit? | Aktueller Prüfbericht einer bekannten Audit-Firma ist öffentlich einsehbar. | Ältere oder nur Teil-Audits; laufender Code ungeprüft. | Kein Report auffindbar — oder Audits werden behauptet, ohne dass einer existiert. |
| Rechtsperson & Team-Transparenz | Registerfeste Gesellschaft(en), Organe namentlich bekannt, Historie nachvollziehbar. | Rechtsperson existiert, aber mit wesentlichen Lücken (Sitz, Organe, Abschlüsse). | Keine belastbare Rechtsperson auffindbar oder Schlüsselpersonen nicht verifizierbar. |
| Partnerschaften unabhängig belegt? | Wesentliche Partnerschaften sind partner-seitig bestätigt. | Einzelne echte Belege, aber Marketing deutlich dicker als die Faktenlage. | Praktisch alle Partner-Claims nur aus eigenen Kanälen oder bezahlter PR. |
| Echte Nutzung on-chain messbar? | Unabhängig messbare, substanzielle Nutzung (zahlende Kunden, Gebühren, aktive Anwendungen). | Messbare, aber schmale oder stark konzentrierte Nutzung. | Keine messbare wirtschaftliche Nutzung erkennbar. |
| Organische Community-Substanz? | Aktive, gewachsene Community über mehrere Kanäle, konsistent mit den Halter-Zahlen. | Kleine, aber reale Community. | Community-Kennzahlen widersprechen den Halter-Zahlen (Airdrop-Muster) oder fehlen fast völlig. |
| Handelsplatz-Qualität | Liquidität über mehrere seriöse Börsen verteilt, plausible Volumina. | Konzentration auf wenige Plätze oder einzelne Qualitätszweifel. | Existenzielle Abhängigkeit von einem Handelsplatz und/oder deutliche Wash-Trading-Indizien. |
| MiCA-/Regulierungsstatus | Eigenes, konsistentes MiCA-Whitepaper; keine Behörden-Warnungen. | Whitepaper existiert (ggf. von Dritten notifiziert) oder weist Widersprüche auf. | Kein MiCA-Whitepaper auffindbar oder aufsichtsrechtliche Warnungen. |
| Regulär in Deutschland kaufbar? | Bei mehreren regulierten Anbietern mit Euro-Paar und echter Liquidität handelbar. | Nur eingeschränkt (einzelner Anbieter, Fremdwährung, dünne Liquidität). | Bei regulierten Anbietern praktisch nicht handelbar. |
| Steuerliche Klarheit (§ 23 EStG) | Standardfall: Kauf/Verkauf ohne coin-spezifische Grauzonen. | Coin-spezifische Grauzonen (Bridging, Wrapping, Staking-Konstrukte) erfordern Sorgfalt. | Steuerliche Behandlung wesentlicher Mechanismen ist ungeklärt und riskant. |
| Track-Record & Liefertreue | Mehrjährige Historie, Zusagen wurden im Wesentlichen geliefert. | Liefert erkennbar, aber mit Verspätungen, Brüchen oder still beerdigten Produkten. | Serielle Strategie-Wechsel entlang von Hype-Wellen oder überfällige Kern-Zusagen. |
| Datentransparenz des Projekts | Supply-Aufschlüsselung, Treasury und Kennzahlen werden aktiv offengelegt. | Teilweise Offenlegung mit relevanten Lücken. | Zentrale Bestände, Kalender oder Kennzahlen sind nicht oder widersprüchlich dokumentiert. |
Recherche-Tiefen
Nicht jeder Coin bekommt sofort ein Voll-Dossier. Wir weisen die Tiefe ehrlich aus:
- Dossier — vollständige Tiefenrecherche (acht Linsen, Faktencheck, Lücken-Protokoll, 13 Kapitel).
- Kurz-Check — die Prüffragen wurden mit Primärquellen beantwortet, aber ohne die volle Dossier-Tiefe.
- Warteschlange — gelistet, noch ungeprüft; solche Coins tragen keine Verdikte.
Grenzen dieser Methodik
Verdikte sind Momentaufnahmen mit Stand-Datum und können veralten; maßgeblich sind die Quellen im Dossier. Die Einstufung ist eine redaktionelle Wertung auf Basis der dokumentierten Fakten — keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und kein Urteil über künftige Kursentwicklungen.